Festschrift von Professor Dr. Mathias Ernst Kamp, ehemaliger Studienleiter der VWA Bonn zum 50-jährigen Bestehen der Akademie im Jahre 1975
50 Jahre Fortbildung an der Mittelrheinischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie
1925 -1927
Der 23. November des Jahres 1925 kann als der "Geburtstag" der MitteIrheinischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bonn gelten. An diesem Tag wurden in Bonn so genannten Beamtenhochschulkurse aufgenommen, nachdem bereits in anderen Teilen Deutschlands der Gedanke der beruflichen Fortbildung der Angehörigen des öffentlichen Dienstes Fuß gefasst hatte und nachdem es seit 1918 zur Gründung zahlreicher Verwaltungs-Akademien als Selbsthilfeeinrichtungen der Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes gekommen war. Die ursprüngliche Absicht der Initiatoren dieser Hochschulkurse in der Bonner Beamtenschaft lag noch gar nicht einmal in dem Aufbau und der Entwicklung systematischer Lehr- und Studiengänge; man wollte vielmehr - etwa in der Art der in jüngster Zeit von der Bonner VWA in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in Bonn-Bad Godesberg so erfolgreich durchgeführten Sonderveranstaltungen und "Refreshing"-Kurse, wie man sie heute gerne nennt - exemplarisch neuere Erkenntnisse und Methoden der die Aufgaben der Verwaltungsbediensteten berührenden Fachgebiete auf hochschulmäßiger Grundlage vermitteln. Das war die eigentlich kausale Motivation, der Beweggrund des Wollens, der das Handeln der damals aktiv Beteiligten auslöste, das war die bewegende Ursache für den ersten Ansatz.
1927 -1945
Der unerwartet große Erfolg der ersten Veranstaltungen und die tatkräftige Unterstützung durch die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität und die Bonner Stadtverwaltung führten jedoch bald - sozusagen zwangsläufig - zu einer Fortentwicklung dieser Hochschulkurse, die schließlich mit der Gründung der Mitterheinischen Verwaltungs-Akademie Bonn und deren Aufnahme in den Reichsverband Deutscher Verwaltungs-Akademien am 9. Juni 1927 ihren Abschluss fand. In der Folgezeit nahm die Arbeit der jungen Akademie einen raschen Aufschwung; noch im gleichen Jahr konnten
Zweigniederlassungen in Koblenz und Trier eröffnet werden, die als solche bis zum Kriegsausbruch 1939 wirkten und erst nach dem Krieg selbständige Akademien wurden. Hält man sich die umfassende Aktivität der heutigen Akademie am Sitz der Bundesregierung vor Augen,
so spiegelt es zugleich den ganzen Umfang des Wesenswandels des alten "verträumten" rheinischen Universitäts- und Pensionärstädtchens zur Bundeshauptstadt wider, wenn wir den alten Akten entnehmen, dass man in jenen ersten Jahren der Bonner Akademie ernsthaft Überlegungen darüber anstellte, ob nicht im Laufe der Zeit eine Verlagerung des Schwergewichts der Akademiearbeit von der Hauptanstalt in Bonn nach der "Beamtenstadt" Koblenz eintreten werde. Von Anbeginn der Tätigkeit der Akademie an, deren Leiter der Oberbürgermeister der Stadt Bonn war, bestand jene enge Verbindung zur Universität, die noch heute die Eigenart und das Gewicht der beruflichen Fortbildung im Bereich der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademien ausmacht, nämlich die Ausbildung auf hochschulmäßigem Niveau mit einem vorwiegend aus Universitätslehrern zusammengesetzten Dozentenkreis. Studienleiter waren in der Zeit von 1925-1944 die Universitätsprofessoren Hans Dölle, Albert Hensel und Karl Rößle; im Beirat befanden sich so bekannte Wissenschaftler wie Erich Rothacker und Arthur Spiethoff, und in der 1935 erschienenen Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Akademie finden wir unter den Autoren u. a. den ersten Studienleiter der Akademie in der Nachkriegszeit Professor Dr. Ernst Friesenhahn, der heute noch an der Bonner Akademie liest und ihr auch in den Jahren seiner Tätigkeit als Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe die Treue hielt, sowie den Nationalökonomen Theodor Wessels, der zunächst in Bonn als Dozent und später als Ordinarius an der Kölner Universität und der Kölner Akademie Wirtschaftspolitik lehrte. Die Funktion des Verwaltungsleiters übte der damalige Kreisinspektor und spätere Kreisfinanzdirektor Ernst-Josef Engels aus, Geschäftsführer der Hauptanstalt Bonn war zunächst Telegrafeninspektor Clemens Hürfeld, dann Amtsleiter Dietz, und das Amt des Rechnungsführers hatte Regierungsinspektor Schumacher inne. Die Geschäftsstelle der alten VWA befand sich im Haus Nr. 3 am Belderberg 3, sie wurde am 18.10.1944 durch Bomben völlig zerstört.
Die Akademie der Vorkriegszeit beschränkte sich darauf, jeweils einen sich über 7 bis 8 Semester erstreckenden Lehrgang durchzuführen, der im allgemeinen in jedem Semester je eine etwa 20 Stun- den umfassende Vorlesung oder Übung aus dem Gebiet des öffentlichen Rechts, des Privatrechts und der Volkswirtschaftslehre enthielt. Daneben lebte der alte Bildungsgedanke der Beamtenhochschulkurse weiter in einer Reihe von Fachvorträgen und allgemein bildenden - vor allem historischen - Vorlesungen,
die sich ebenso wie die geologischen Lehrausflüge in die Umgebung Bonns unter der Ägide des Bonner Ordinarius Otto Wilckens einer außerordentlichen Beliebtheit erfreuten. Einige Zahlenangaben mögen diese Skizze der Geschichte der Akademie vor dem Zweiten Weltkrieg abschließen: Im ersten, achtsemestrigen Lehrgang (1925- 1929) entfielen von den insgesamt 596 Vorlesungsstunden - das sind im Durchschnitt 75 Stunden pro Semester - 193 Stunden (32 %) auf das Bürgerliche Recht, 215 (36%) auf das öffentliche Recht, 142 (24%) auf die Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften und 46 (8 %)
auf sog. allgemeinbildende Veranstaltungen. Insgesamt fanden von den Anfängen der Akademie bis zum Jahre 1944 vier vollständige Lehrgänge statt, die Hörerzahl betrug ungefähr 75-100 ordentliche
Hörer und 250 Gasthörer pro Studienjahr und der Abschlussprüfung (bis 1938 „Akademiestudien-prüfung“, dann „Verwaltungs-Akademie-Diplom“; die Berechtigung zur Abnahme der Diplomprüfung für Kommunalbeamte besaß die Bonner VWA Akademie im Gegensatz zu Köln und Düsseldorf damals nicht) unterzogen sich in diesem Zeitraum 54 Absolventen.
1946 - 1953
Es legt ein beredtes Zeugnis für das Engagement und den Initiativgeist des Mitbegründers und ehemaligen Verwaltungsleiters der Akademie ab, wenn Ernst-Josef Engels bereits kaum ein Jahr nach Kriegsende, im April 1946 dem Oberbürgermeister der Stadt Bonn die Wiedereröffnung der Akademie vorschlug. Und eindrucksvoll zeigen sich die Schwierigkeiten, mit denen die Akademie in jener Wiederaufbauphase in den ersten Nachkriegsjahren zu kämpfen hatte, wenn wir einem kurzen Aktenvermerk entnehmen können, der damalige Antrag sei zurückgestellt worden, „weil Hörer-Nachwuchs fehlt“, oder wenn in dem erneuten Antrag vom 18. Mai 1948 auf Wiederaufnahme des Akademiebetriebes im Herbst 1948 dieser Vorschlag näher spezifiziert wird: „und zwar - wegen der Heizungsverhältnisse - so rechtzeitig, dass die Vorlesungen vor Weihnachten beendet sind“. Selbst die Frage der Hörsäle bereitete Schwierigkeiten; die Universität war ausgebombt, und das zunächst in Erwägung gezogene Museum Alexander König war vom Parlamentarischen Rat für die Beratungen des Grundgesetzes belegt worden. So nimmt es nicht wunder, wenn zeitweilig sogar der Gedanke erwogen wurde, statt einer eigenständigen Neugründung mit der bereits wiedereröffneten nachbarlichen Akademie in Köln Verhandlungen aufzunehmen und Bonn als Zweiganstalt der Kölner Akademie zu betreiben, zumal noch völlig ungewiss war, wie weit die Stadt und die Kreise als Finanziers in Frage kämen, solange bis - wie es in einem Aktenstück heißt - "wieder Staatszuschüsse gewährt werden". In dieser Situation war es wieder der Kreisfinanzdirektor Engels, der mahnend auf die hohen Zuschüsse anderer
Städte an ihre Akademien hinwies und auf die Verpflichtung, die der Stadt Bonn durch ihre mittlerweile erfolgte Erhebung zur vorläufigen Bundeshauptstadt erwachsen sei. Schließlich begann sich dann der Erfolg der jahrelangen hartnäckigen Bemühungen zu zeigen. Im Oktober 1948 firmierte die Akademie
bereits wieder auf eigenem Briefbogen mit der Geschäftsstelle im Stadthaus, und am 7.1.1950 - also vor 25 Jahren - konnte die feierliche Wiedereröffnung der MitteIrheinischen Verwaltungs-Akademie erfolgen. Das erste, nur wenige Seiten umfassende und auf Papier der berüchtigten Kriegsqualität gedruckte Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 1949/50 bekundete mit seiner stolzen Überschrift „1. Semester des fünften ordentlichen Lehrganges“ die Absicht einer kontinuierlichen Anknüpfung an die erfolgreiche Arbeit der früheren Jahre und wies die beachtliche Zahl von drei Veranstaltungen mit jeweils 10 Doppelstunden auf, nämlich Staatsrecht (Prof. Friesenhahn), Allgemeine Lehren des Bürgerlichen Rechts (Dozent Bosch), Grundprobleme der Volkswirtschaftslehre (Prof. Kamp). Und dennoch betrug gleich in diesem ersten Semester die Gesamthörerzahl 235 (!), ein Zeichen für den hohen Fortbildungsbedarf nach langen Kriegs- und Gefangenschaftsjahren. Waren in den Jahren vor dem Krieg etwa 50 % der Hörer Kommunalbeamte gewesen, so betrug in dem ersten Nachkriegssemester der Anteil dieser Gruppe sogar 60 %; lediglich 18 Hörer (8 %) waren in diesem ersten Semester Bundesbedienstete, auch dies ein Indiz für das Ausmaß des zwischenzeitlich eingetretenen Wandels in der Akademiearbeit: Stellt doch gegenwärtig (1975) der Bundesdienst mehr als 50 % der Studienanfänger.
Bei diesem skizzierten Umfang des Lehrangebotes blieb es zunächst in jenen Jahren öffentlicher Sparsamkeit und strikter Juliusturmpolitik; erst 1954 stieg die Stundenzahl auf 152 Doppelstunden
und verblieb im Großen und Ganzen in dieser Größenordnung bis zum Beginn
der 60er Jahre. Akademieleiter war von der Neueröffnung bis zum Wintersemester 1956/57 Oberstadtdirektor Dr. Langendörfer, dem im Sommersemester 1957 Oberstadtdirektor Dr. Schmidt und im Sommersemester 1965 Oberstadtdirektor Dr. Hesse folgten. Als Stellvertreter des Akademieleiters fungierten die Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn Rechtsanwalt Busch
(SS 1960 - WS 1963/64) bzw. Dipl.-Kfm. Röhren (seit WS 1963/64). Als Studienleiter konnte nach Kriegsende Prof. Dr. Friesenhahn gewonnen werden, dem nach seiner Berufung an das Bundesverfassungsgericht im WS 1951/52 Prof. Dr. Kipp und seit dem WS 1963/64 Prof. Dr. Kamp im Amt nachfolgten. Die Geschäfte des Verwaltungsleiters führte zunächst neun Jahre lang Stadtamtmann Kellersohn, dann seit dem SS 1959 der damalige Stadtoberinspektor und heutige Ltd. Städtische Verwaltungsdirektor Sauerborn und schließlich seit dem SS 1971 Stadtoberamtmann Franke,
beide Absolventen des kommunalwissenschaftlichen Studienganges an unserer Akademie. Den Posten des Rechnungsführers übernahm im WS 1949/50 der damalige Verwaltungsoberinspektor Schumacher, dem im WS 1956/57 Rechnungsdirektor Schlief und seit WS 1965/66 Städtischer Oberverwaltungsrat Müsgen folgten. Die zunächst provisorisch im Stadthaus untergebrachte Geschäftsstelle wurde
1953 in die Münsterstraße 19 verlegt; dort stand seit 1954 den Hörern dann auch wieder eine Bibliothek zur Verfügung. Seit dem SS 1957 hat die Geschäftsstelle, in der seit nunmehr einem Vierteljahrhundert Frau Lauer mit unermüdlichem Einsatz tätig ist, ihr Domizil in der Bismarckstraße 18 gefunden. Auch für „den Hörsaal“ musste nach 1945 zunächst auf den großen Sitzungssaal des Stadthauses zurückgegriffen werden; erst seit dem WS 1951/52 konnte die Akademie wieder die neu hergestellten Universitätshörsäle mitbenutzen und von dem bis heute in großzügigster Weise gewährten Gastrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität profitieren. Bereits die ersten Semestereröffnungsvorträge nach Kriegsende verdeutlichen die enge Verbindung der jungen Akademie mit den Ministerien und Bundesbehörden der provisorischen Bundeshauptstadt, eine Verbindung, die noch heute die besondere Stellung der Bonner VWA unter den Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademien in Deutschland ausmacht und die in der Folgezeit mehr und mehr den Charakter der Verwaltungs-Akademie bestimmen sollte, ganz im Unterschied etwa zu den großen Akademien der Industrieregionen. Im Jahre 1951 z. B. eröffnete Staatssekretär Dr. Wandersleb das Wintersemester mit einem Vortrag „Der Wohnungsbau in Bonn und im Bundesgebiet - Rückblick und Ausblick“, zum SS 1952 sprach der Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard und zur Eröffnung des WS 1952/53 referierte Staatssekretär Hartmann vom Bundesministerium der Finanzen über die Finanzsituation des Bundes. Mittlerweile haben diese Vorträge zur feierlichen Eröffnung des Semesters bzw. später des Studienjahres eine stolze Tradition; aus der langen Reihe der verschiedenen Themen ist in diesem Heft einer dieser Vorträge aus den letzten Jahren herausgegriffen und originalgetreu wiedergegeben worden. Gerade aus der Themenliste dieser Vorträge kann der interessierte Beobachter aber auch entnehmen, wie sehr die Akademie von Anfang an bemüht war, ihren Hörern mehr als nur eine eng gefasste Fachfortbildung zu bieten; erwähnt seien nur Titel wie „Was ist Kunst?“ (1954 Prof. Lützeler), „Was ist Bildung?“ (1955 Prof.
Rothacker) und „Kernphysik und Kerntechnik“ (1956 Prof. Riezler). Hinzu kam, dass seit dem WS 1951/52 neben den Vorlesungen eine ganze Reihe von EinzeIvorträgen angeboten und darüber hinaus in den Jahren 1952-1955 jeweils sonnabends nachmittags (!) betriebswirtschaftliche Besichtigungen (Bergwerke, Industrie- und Handelsbetriebe, Häfen u. a. m.) unter der Leitung von Prof. Ruberg durchgeführt wurden, die viel Anklang und Interesse fanden.
1953-1969
Aus der weiteren Geschichte der Akademie bis heute sollen hier nur drei - wie ich meine - Meilensteine der neueren Entwicklung der Akademiearbeit skizziert werden. Der erste und wohl wichtigste
Einschnitt in der Geschichte der Nachkriegsakademie war die 1953/54 vorgenommene Umwandlung der allein für die Angehörigen des öffentlichen Dienstes bestimmten Verwaltungs-Akademie in eine auch den Fortbildungswilligen aus dem Bereich der privaten Wirtschaft offen stehende Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie, die drei Studiengänge mit drei Abschlüssen anbot. Die seitherige Entwicklung der Hörerzahl zeigt, wie sehr damit einem längst vorhandenen Bedürfnis Rechnung getragen wurde, und zweifellos profitieren dabei die Hörer aller drei Fachrichtungen, sowohl die Verwaltungs-, als auch die Kommunal- und Wirtschaftshörer von der gleichzeitigen Erweiterung des Vorlesungsangebotes zu einem umfassenderen und vielfältigeren Programm, dessen Doppelstundenzahl von 138 im Studienjahr 1952/53 schnell auf 320 im Studienahr 1954/55 anstieg. Auf dieser Höhe hielt sich im großen und ganzen die Gesamtstundenzahl des jährlichen Studienprogramms lange Jahre, nämlich bis zu einem weiteren Einschnitt in der jüngeren Akademiegeschichte.
1970-1975
Er ist gekennzeichnet durch die Einführung von Veranstaltungen für einen weiteren wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang, nämlich das Studium betriebswirtschaftlicher Fachrichtung zum Erwerb des Betriebswirt (VWA) im SS 1970 sowie gleichzeitig durch die Umstrukturierung des gesamten Studienplanes und Studienangebotes im Sinne des sog. Bonner Modells. Dieses an der Bonner Akademie von der Studienleitung entwickelte Modell, das inzwischen in der bildungspolitischen Diskussion Beachtung gefunden hat, hat sich in der kurzen Zeit der Akademiearbeit bis heute bewährt. Seine wesentlichen Merkmale sind (a) die Trennung des Studiums in ein 4-semestriges Grundstudium und ein 2-3-semestriges Hauptstudium, (b) der Abschluss des Grundstudiums als selbständiger Studienabschnitt i. S. eines Baukastensystems durch eine Art Zwischenprüfungszeugnis, das "Zeugnis über die Teilnahme am Grundstudium" und (c) die Intensivierung des Grund- und Hauptstudiums sowie der Repetitionsarbeit zur Vorbereitung auf das Examen in vermehrten EinzeIveranstaltungen in Kleingruppenarbeit (Arbeitsgemeinschaften, Kolloquien, Falldiskussionen, Seminaren) mit vergrößerter Mitarbeitsintensität der Teilnehmer. Das erfolgreich mit einem Zertifikat abgeschlossene Grundstudium attestiert für sich allein schon die Bewältigung eines wesentlichen Teiles der beruflichen Fortbildung und erlaubt dem einzelnen Hörer eine flexiblere Studiengestaltung sowie eine Unterbrechung des Studiums, und die aus Kostengründen erst partiell angesetzte Kleingruppenarbeit schlägt sich in verbesserten Übungs-, Seminar- und Studienabschlussleistungen nieder. Dieser strukturelle Wandel des Vorlesungsprogramms drückt sich zugleich in einem beträchtlichen Ansteigen der Stundenzahl des Lehrangebots aus. Einen weiteren Akzent in der Arbeit der Akademie sehe ich in der experimentellen Erprobung von neuen Kursen der Erwachsenenbildung nach dem sog. Baukastenprinzip bei gleichzeitiger Intensivierung der Kleingruppenarbeit. Diese Versuche wurden ermöglicht durch einen vom Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung Berlin dem Studienleiter übertragenen mehrjährigen Forschungsauftrag, in dessen Rahmen in den Jahren 1972-1974 nicht nur in erheblichem Umfang zusätzliche Kleingruppenveranstaltungen (vorzugsweise Arbeitsgemeinschaften und Übungen) angeboten werden konnten, sondern dessen Durchführung auch wesentliche Erkenntnisse über die Ausgestaltung erwachsenenspezifischer Studiengänge, über Möglichkeiten der Reform und Anpassung der vorhandenen Studienpläne sowie über die Aussichten und Chancen einer Effizienzsteigerung der Fortbildung durch Intensivierung eben dieser Kleingruppenarbeit lieferte. Die sog. Bildungslandschaft ist bei uns in den letzten Jahren mit einer geradezu atemberaubenden Fülle von Änderungsabsichten, Vorschlägen und Versuchen ihrer Durchsetzung sowie mit entgegenstehenden Forderungen nach Beibehaltung und Konservierung des Überkommenen und Bewährten, aber oft auch des Veralteten und offensichtlich Verbesserungsfähigen durchfurcht und in eine teils heilsame, teils aber auch heillose Unruhe versetzt worden. Und von diesem Wandel wurde und wird auch und gerade die berufliche Fortbildung erfasst. Ihre Reform sollte - das ist m. E. in den letzten Jahren sehr deutlich geworden - (1) durch die Gedanken der Durchlässigkeit der Bildungsgänge und (2) der gegenseitigen Anrechnung und Gleichstellung von Abschlüssen zwischen beruflichen und allgemeinen Bildungsgängen sowie (3) durch die Forderung nach curricula, die zur Verwendung in einem Baukastensystem geeignet sind, d. h. bei denen die einzelnen Kurse aufeinander bezogen und miteinander kombinierbar sind, bestimmt sein. Die Bonner Akademiearbeit der letzten Jahre vermag - so glaube ich - zu zeigen, dass gerade in dieser Hinsicht die Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie als Einrichtung der beruflichen Fortbildung auf hochschulmäßiger Grundlage und insbesondere das in Bonn mit Erfolg praktizierte Modell vielversprechende Vorteile besitzt und dass gleichzeitig eine ganze Reihe von Ansatzpunkten für den Einbau der Akademien in ein umfassendes und nach den oben genannten Kriterien aufgebautes Bildungssystem vorhanden ist. Ohne Zweifel gilt es dabei auch, die Aufgaben unserer Akademien ständig kritisch neu zu überdenken. Dabei sollten wir aber nicht ängstlich der Dinge harren, die da auf uns zukommen, sondern uns in der zukünftigen Arbeit von den Erfahrungen und Erfolgen der letzten Jahre anspornen lassen. Der Anstieg des Bonner Studienangebots bis auf 520 Doppelstunden im letzten Studienjahr und die eindrucksvolle Zunahme der Abschlussprüfungen (131 Diplome in den fünf Jahren 1969-1974 gegenüber 164 Diplomen in den vergangenen 16 Jahren seit dem ersten Nachkriegsprüfungstermin 1953), das sind Zahlen, die im Vergleich mit früheren Jahren oder gar mit dem Neuanfang der Akademie nach dem Krieg mit 30 Doppelstunden pro Semester den Umfang des Erreichten plastisch illustrieren. Erinnern wir uns ferner noch einmal an die Reformen der hinter uns liegenden Zeit, an die Einführung des Betriebswirt (VWA) und des Bonner Modells, an die Duchführung von Sonderveranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung und an die Einführung von Refreshing-Kursen und Kontakt-Seminaren für ehemalige Akademieabsolventen, so können wir sicherlich tatenfroh, reformbereit und optimistisch dem nächsten halben Saeculum entgegenblicken!